5.3.1 Einführung: Was ist "kleio"?
Das speziell für die Bedürfnisse von Historikern entwickelte Programmpaket "kleio" ist ein
Ergebnis des "Historical Workstation Project" und wurde vom Manfred Thaller (Max-Planck-
Institut für Geschichte, Göttingen) in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen
Forschungsinstitutionen entwickelt. Es steht wissenschaftlichen (nicht kommerziellen)
Anwendern kostenlos zur Verfügung. Diese Software, deren datenbankorientierten
Komponenten in der Folge besprochen werden sollen, bietet eine Reihe von Besonderheiten,
die bei kommerziellen Datenbankprogrammen nicht zu finden sind, jedoch der Art von
Informationsverarbeitung entspricht, die typisch für Anwendungen im Bereich der
Historischen Fachinformatik ist:
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Für "kleio" wurde ein kontext-sensitives Datenmodell entwickelt, das seinerseits auf
dem Konzept semantischer Netze basiert. Für den Benutzer ergibt sich je nach
Anwendung eine hierarchische, eine netzwerkorientierte oder in speziellen Fällen eine
"relationale" Sichtweise des Datenmodells, das Programm ist "von sich aus" in der
Lage, bestimmte Kontexte der Quelle zu berücksichtigen.
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Das Programm bietet (datentechnische) Hilfsmittel, der extremen Variabilität
historischen Quellenmaterials und dessen inhärenten Unschärfen effizient zu
begegnen. So müssen etwa stark strukturierte Daten als auch weitgehend
unstrukturierte verwaltet werden können, Konsistenzprobleme sind zu lösen und
definitorische Unschärfen werden durch Implementationen der "fuzzy-set-logic"
disambiguiert.
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In historischen Quellen finden sich eine Reihe von Informationen, die durch die
klassischen Datentypen nicht faßbar sind oder nicht unmittelbar interpretiert werden
können. Daher stellt "kleio" Mittel bereit, solche Informationen in ihren Merkmalen zu
definieren und so neben den Quellen auch Wissen über sie in sogenannten "logischen
Objekten" zu verwalten. Dazu zählen etwa
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Definitionsumgebungen für erweiterte Datentypkonzepte
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der Ausgleich orthographischer Varianten
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die Lemmatisierung des Lateinischen
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numerische und nichtnumerische Klassifikationssysteme
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definierbare Verbindungen zwischen Entitäten mehrerer Datenbanken
(Record Linkage)
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die Verwaltung nichtdezimaler Maß- und Währungsangaben, die auch
temporären Schwankungen unterworfen sein können oder auch
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die Interpretation historischer Datierungsangaben.
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Daneben enthält "kleio" auch hochspezialisierte Komponenten wie etwa Mittel zur
automatisierten Produktion von thematischen Karten, ein Modul zur digitalen
Bildverarbeitung (das sogenannte "Image Analysing System") sowie Interfaces zu
Statistikprogrammen und zum Satzprogramm "TeX".
Insgesamt betrachtet, präsentiert sich "kleio" nicht nur als bloße Datenbank-Software, wenn
es auch in diesem Bereich für Historiker bereits wesentlich mehr zu leisten imstande ist als
herkömmliche Produkte. Darüberhinaus bietet das System die Möglichkeit, komplexe
Informationssysteme aufzubauen und die Leistungsfähigkeit aufgrund der offenen
Systemarchitektur ständig zu erweitern.
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Last revision: 1996 March 6
Authors: Susanne Botzem & Ingo H. Kropac
WWW-version: Susanne Botzem & Ingo H. Kropac