1Der Begriff Verfassung wurde als neuzeitlicher Begriff in Anführungszeichen gesetzt, weil er nicht ohne weiteres auf mittelalterliche Verhältnisse rückprojektierbar ist.
2Ficker, Julius: Vom Heerschilde. Ein Beitrag zur deutschen Reichs- und Rechtsgeschichte. Innsbruck 1862. Ders.: Vom Reichsfürstenstande. Forschungen zur Geschichte der Reichsverfassung zunächst im 12. und 13. Jahrhundert. 2 Bde. Bd. 2 hrsg. und bearb. von Paul Puntschart. Innsbruck 1861-1921.
3Der Sachsenspiegel ist für diese Arbeit die wichtigste Quelle. Die Forschung setzt allerdings vielfach die Absetzung Heinrichs des Löwen 1180 als spätestes Datum für den Beweis der Existenz von Heerschildordnung und Reichsfürstenstand. Die Formulierung der Heerschilde durch Eike wurde, entsprechend der Annahme einer mittelalterlichen "Verfassung", zumeist als bloßer Niederschlag in den Quellen angesehen. Daher muß auch diese Arbeit teilweise bis zu diesem Punkt zurückgehen, alleine um einige Forschungsstände zu hinterfragen. Endpunkt dieser Arbeit soll allerdings die Situation zu Zeiten Eikes von Repgow sein.
4Den Fortgang der Forschungen zum Heerschild und zum Reichsfürstenstand immer eindeutig zu trennen, ist schwierig, da die beiden Kreise sehr eng miteinander verwoben sind. Bestimmte Fragestellungen tauchen mitunter deshalb in beiden Kapiteln auf.
5Zur Datierung vgl. Karl Kroeschell: Rechtsaufzeichnung und Rechtswirklichkeit: Das Beispiel des Sachsenspiegels. In: Recht und Schrift im Mittelalter. Hrsg. von Peter Classen (VuF 23). Sigmaringen 1977. S. 355ff.
6"Nu danket al gemene/ dem van Valkenstene,/ De greve Hoier is genant,/ dat an dudisch is gewant/ Dit buk dorch sine bede:/ Eike van Repchowe it dede" (Das Lehnrecht des Sachsenspiegels. Hrsg. von Karl August Eckhardt. Göttingen 1956. (Germanenrechte 15). Lehnrecht 1. [Im folgenden: Lnr.; Hervorhebungen sind vom Autor]). Eine zweite Stelle, an der Eike seinen Namen erwähnt, findet sich in der Sachsenspiegelausgabe von Clausdieter Schott: in einer Reimnachrede am Schluß des Landrechtes sagt Eike: "Wi sint des lantrechtes to ende komen,/ dat hebbe gi alle wal vernomen,/ Dar an so denket helede got/ nemet et vast in iuwen moet/ Unde danket alle gemene/ dem van Valkenstene/ Ok heren Eike dar mede." (Eike von Repgow: Der Sachsenspiegel. Hrsg. von Clausdieter Schott. Übertragung des Landrechts von Ruth Schmidt-Wiegand, Übertragung des Lehenrechtes und Nachwort von Clausdieter Schott. Zürich 1984. S. 238.) Diese Reimnachrede zum Landrecht ist in den von Karl August Eckhardt edierten Ausgaben nicht enthalten.
7Vgl. Zitat nach Schott in Anm. 6.
8Für die gesellschaftliche Stellung Eikes vgl. Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 353ff. und Karl August Eckhardt: Sachsenspiegel Bd. IV: Eike von Repgow und Hoyer von Valkenstein. Hannover 1966. (Germanenrechte N.F., Bd. 1). Beide vertreten die Annahme, daß Eike in einem Dienstmannenverhältnis zum Grafen Heinrich von Anhalt stand. Ignor reduziert dies auf eine irgendwie geartete Beziehung, da eine Ministerialität aufgrund der Urkunden sicher ausscheide. (Ignor: Rechtsdenken, S. 56ff.)
9Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 352.
10"Des herren leve en gare verwan,/ dat he des bukes began,/ Des em was vele ugedacht,/ do het an latin hadde gebracht." (Das Landrecht des Sachsenspiegels. Hrsg. von Karl August Eckhardt. (Germanenrechte 14). Göttingen 1955, Landrecht, S. 25. [Im folgenden Ldr.]
11Er nennt dabei fünf Städte mit Pfalzen, sieben (!) Fahnlehen und er führt die in Sachsen gelegenen Erzbistümer und Bistümer an, auch wenn diese Erzbistümern zugehörig sind, die selber nicht in Sachsen liegen. (Ldr. III 62 1-3) Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg nicht erwähnt wird, welches Otto, der Enkel Heinrichs des Löwen 1235 zurückerhalten hat. Der Sachsenspiegel ist somit vor 1235 zu datieren, auch wegen der Nichtberücksichtigung des Mainzer Reichslandfriedens. Dessen Bestimmungen wurden in späteren Abschriften Eikes Werk vorangestellt, meist die Reimvorrede ersetzend.
12Lnr., S. 8.
13Das Lehnrecht wird zum Landrecht in Gegensatz gebracht. Landrecht meint dabei die "Gesamtheit von Rechtssätzen, welche in einem Land für alle gilt, die nicht (zumindest hinsichtlich einzelner Angelegenheiten) einem besonderen Rechtskreis angehören. Daneben kann Landrecht auch einen Rechtsstatus und ein Gericht bedeuten." (Köbler, Gerhard: Art. Landrecht. In: LMA V, Sp. 1672f.) Ein wesentliches Problem der Forschung um den Heerschild ist in dem Zusammenhang immer wieder die Vermischung von land- und lehnrechtlichen Aspekten und Fragestellungen.
14"Origines wissagede hir bevoren, dat ses werlde scolden wesen, de werlt bi dusent jaren op genomen, unde inme sevenden scolde siu togan. Nu is uns kundich van der hiligen scrift, dat an Adame diu erste werlt began, an Noe diu andere, an Abraham diu dridde, an Moyse diu virde, an David diu vifte, an Goddes geborde diu seste. An der sevenden sin we nu sunder gewisse tal." Ldr I 3 1.
15Die Siebenzahl ist zugleich Höhepunkt und Abschluß der Reihe von symbolischen Zahlen: beginnend mit dem einen Gott (in allen Vorreden, besonders deutlich in der berühmten Stelle: "Got is selve recht, dar umme is em recht lef." (Ldr., S. 26)), über die Zwei-Schwerter-Lehre (Ldr. I 1), die dreifache Freiheit und die drei Gerichtsstände (Ldr. I 2) kommt er bis zu den sieben Weltaltern, Heerschilden und Gliedern der Sippe (Ldr. I 3 1-3). Vgl. Ignor, Alexander: Über das allgemeine Rechtsdenken Eikes von Repgow. Paderborn 1984. S. 16. und Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 363. Besonders die Siebenzahl in Bezug auf die Heerschilde mutet aber seltsam an, da Eike von ursprünglich sechs Schilden ausgeht, die nur dadurch auf sieben erweitert wurden, daß die weltlichen Fürsten Lehen von den geistlichen Fürsten genommen und deshalb ihren eigenen Schild geniedert haben. (Vgl. unten Anm. 18.)
16Die Schöffenbarfreien zeichnen sich aus durch die Qualifikation zum Schöffenamt. Eike postuliert, daß nur schöffenbare Freie oder Gleichrangige das Schöffenamt ausüben dürften: "Scepenbare lude moten ordele vinden over iewelken man, it ne mut aver oppe se neman ordel vinden, dat an er lif oder an er ere oder an er erve ga, noch ordel scelden, he ne si en evenbordich." (Ldr. II 12 2) Kroeschell arbeitet als Intention Eikes heraus, daß er sich mit dieser Aussage gegen Nur-Ministeriale wendet, während es auch Ministeriale mit Berechtigung zum Schöffenamt gibt, zu denen er wahrscheinlich selber gehörte. Kroeschell formuliert: "Eike verschweigt nicht das Eindringen der Ministerialen in die Gerichte, sondern er sucht es einzudämmen." (Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 361.) Vgl. G. von Olberg: Art. Schöffenbarfreie. In: HRG IV, Sp. 1469-74. Die Trennung zwischen freien Herren und schöffenbarfreien Leuten wird ansonsten über den Besitz vorgenommen: die Schöffenbarfreien müssen mindestens 3 Hufe Besitz vorweisen, also einen kleineren Besitz als freie Herren. Eikes Hang zur Abgrenzung zwischen den mit verschieden Rechten ausgestatteten Personenkreisen wird auch das Kapitel dieser Arbeit über den Reichsfürstenstand bestimmen. Wenn Ficker aber Schöffenbare auch im sechsten Schild findet, dann nur deshalb, weil er auf die Glosse zurückgreift. (Ficker: Heerschild, S. 186f.) In dieser Arbeit soll aber nur der Sachsenspiegel selbst herangezogen werden, die Glosse wie auch die anderen Spiegel geben nicht das Rechtsdenken Eikes von Repgow wieder.
17Ldr. I 3 2. In dieser Arbeit wird der Titel "König" in Anschluß an die Formulierung Eikes gebraucht, auch wenn der eigentlich politisch Handelnde der Kaiser ist und dessen Titel genannt werden müßte.
18Ebd. Daran anschließend der Satz: "leien vorsten hebbet aver den sesten scilt in den sevenden gebracht, sint se worden der biscope man, des er nicht ne was." Im Lnr. 1 heißt es dazu: "Doch hebben de leien vorsten den sesten scilt in den sevenden bracht, sint se worden der biscope man, des er nicht ne was." Dadurch wird aber wieder die Parallelsetzung von ungewissem siebtem Weltalter und ebenso ungewissem siebten Heerschild also Topos sichtbar.
19Die Größe des Besitzes bestimmte die Größe des zu stellenden Kontingents an Rittern bzw. Kämpfern. Das durch Weiterverleihung aufgeteilte Land durfte nicht zu klein werden, um eine bestimmte Anzahl Krieger zu versorgen. Die Hauptfrage bei der Abstufung ist demnach die Frage danach, wieweit ein Stück Land teilbar war, ohne daß es die Versorgungsfunktion in Gefahr geriet. Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Art. Heerschild, -ordnung. In: LMA IV, Sp. 2007/8.
20An die ursprüngliche, militärische Bedeutung anschließend, ist es die Mannschaft, die das eigentliche Lehnsverhältnis begründet, nicht etwa der Treueid oder die Investitur. Die Mannschaft (manscap, homagium, hominium) bedeutet die konkrete Unterwerfung unter die Herrschaft des Anderen, sie ist Grundlage für den Anspruch des Herrn auf zu leistende Dienste. Der Treueid stellt "lediglich" die gegenseitige Treuepflicht her, die Investitur schließlich ist der Akt, der in den Besitz und die Gewere an dem Grundstück oder den Einkünften einweist. Vgl. Diestelkamp, Bernhard: Art. Homagium. In: HRG II, Sp. 225-8. Krieger, Karl-Friedrich: Art. Investitur. In: LMA V, Sp. 477f.
21So hat der Mann den Heerschild für die Frau: "de man hevet den herscilt unde de geweren van der frouwen halven an deme gude" (Lnr 56 1), andererseits ist die Frau von der Heerfolge befreit, eben weil sie keinen Heerschild hat: "Belenet wif unde maget ne sint nicht pflichtich des rikes hervart to denende, mer heresture scolen se geven na satteme rechte. Vare scolen se ledich sin binnen lenrechte [dar dat se des herscildes nicht ne hebbet]." (Lnr. 34, Einklammerung von Eckhardt)
22Diese Fragen behandelt Eike im Zusammenhang mit dem Eintritt eines Mannes ins Kloster, bzw. mit der Absicht, in ein Kloster einzutreten. Laut Eike kann ein Kind seinen ihm durch Erbe zustehenden Heerschild (vgl. Anm. 25.) und damit auch sein Lehnrecht erhalten, wenn er sich bei Eintritt ins Erwachsenenalter gegen das Mönchsleben entscheidet. Bleibt er dagegen Mönch, gibt er den Heerschild damit auf. "Moneket men en kint binnen senen jaren, it mut wol binnen sinen jaren ut varen, unde behalt lenrecht unde lantrecht. Begift sek aver en man, de to sinen jaren komen is, he hevet sek van lantrechte unde van lenrechte geleget, unde sine len sint van ime ledich, went he den herscilt op gegeven hevet" (Ldr. I 25 2-3). "Begift sek en man der werlt, de to sinen jaren komen is, unde dut he monekes kleder an unde sceret he sek dar na,[...]he hebbe horsam gedan oder nicht, he hevet doch den herscilt neder geleget." (Ldr. II 22 3).
23Wegen ihrer materiellen Absicherung hat die Frau gewisse Mitspracherechte bei Entscheidungen des Mannes, ob er z.B. bei dem Eintritt in ein Kloster sein Landrecht behält, über sein Lehnrecht allerdings nicht: "Hevet er aver sek begeven ane sines echten wives wille, unde irvorderet se en to sentrechte ut deme levende, sin lantrecht hevet he behalden, unde nicht sine len, der he af gestanden is; went en man mut sinen herscilt wol neder leggen ane sines wives gelof." (Ldr. I 25 4).
24Lnr. 25 3. In diesem Zusammenhang muß natürlich auf die gebräuchliche Sprachregelung von der Leihe "binnen Jahr und Tag" hingewiesen werden, die insbesondere für die Belehnung mit einem Fahn- oder Szepterlehen von Bedeutung ist. Zwar ist diese Redewendung seit dem frühen Mittelalter überliefert, doch sie erfährt ebenso wie die Heerschilde eine Umdeutung durch Eike von Repgow auf das Lehnrecht. Vgl. Klein-Bruckschwaiger, Franz: Art. Jahr und Tag. In: HRG II, Sp. 289.
25"Dat echte kint unde vri behalt sines vader scilt, unde nimt sin erve unde der muder also, of it er evenbordich is oder bat geboren." (Ldr. III 72). "De sone behalt des vader scilt to lenrechte de eme evenbordich is, de wile he sek mit manscap nicht ne nederet." (Lnr. 21 1).
26"Of de sone in des vader stat nicht man wel werden, dar mede nis sin scilt nicht gehoget. It ne hoget nicht des mannes scilt denne vanlen, of eme dat gelegen wert." (Lnr. 21 2). Die Erhöhung des Schildes kann also nur durch die Erlangung eines Fahnlehens erreicht werden. Vgl. in diesem Zusammenhang die Besonderheit des vierten Schildes. Unten Kap. 4.2.
27"Wert en man sines genoten man, sine bord noch sin lantrecht ne hevet he nicht gekrenket [dar mede], sinen herscilt hevet he aver genederet." (Ldr. III 65 2). Die einzige Ausnahme laut Eike ist die Mannschaft, die man einem Genossen als Buße für einen Bluttat leistet, solange die Mannschaft nicht vererbt wird: "Doch nis des mannes herscilt dar mede nicht genederet, of he sines genoten man wert unde san gut van eme untvet dorch dotslach, deste de manscap nicht geerft ne werde." (Lnr. 54 2).
28Vgl. Kap. 4.
29Vgl. Heinemeyer, Karl: König und Reichsfürsten in der späten Salier- und frühen Stauferzeit. In: Bll.f.dt. Landesgeschichte 122 (1986). S. 4. Boshof, Egon: Reichsfürstenstand und Reichsreform in der Politik Friedrichs II. In: Bll.f.dt.Landesgeschichte 122 (1986). S. 43. Krieger, Karl-Friedrich: Die Lehnshoheit der deutschen Könige im Spätmittelalter (ca. 1200-1437). Aalen 1979, S. 6f. Mitteis/Lieberich nennen sein Werk immer noch als einzige Literaturangabe überhaupt. (Mitteis, Heinrich/Lieberich, Heinz: Deutsche Rechtsgeschichte. Ein Studienbuch. München 1992. 19., erg. Aufl., S. 183.)
30Ficker benutzt den Sachsenspiegel und den Schwabenspiegel, während hier der Schwabenspiegel nur in Fragen der Überlieferung als Verschriftlichung herangezogen werden soll.
31Ficker: Heerschild, S. 8.
32"Die Theorie hält mit grösster Strenge an diesem Satze von der Niederung des Heerschildes durch Eingehung eines Mannenverhältnisses zu Genossen fest." (Ebd., S. 7.)
33Ebd., S. 131 und 137f.
34Ebd., S. 189ff.
35"Aber die Lehre von einer Beschränkung der lehensfähigen Stufen auf sechs, welche mit Zurechnung einer unfähigen oder doch unsicheren Stufe auf die Siebenzahl der Heerschilde führte, erweist sich nur in der Beschränkung auf das Land der Entstehung der sächsischen Rechtsbücher haltbar." (Ebd., S. 195.)
36 Vgl. oben Anm. 13.
37Ficker: Heerschild, S. 195.
38Ebd.
39Ebd., S. 159.
40Vgl. oben Anm. 23 und Ficker: Heerschild, S. 186f.
41"Unsere Vergleichung der Theorie der Spiegel mit den thatsächlich bestehenden Lehnsverbindungen ergab bezüglich der drei ersten Schilde im allgemeinen eine genügende Übereinstimmung zwischen Theorie und Praxis, wenn auch nicht alle Verbindungen im Systeme unterzubringen sind. Bezüglich der untern Stufe würde sich das nicht in gleicher Weise behaupten lassen; wir würden auf eine solche Reihe von Ausnahmen stossen, dass eine Wirksamkeit der Regel für das thatsächliche Leben kaum mehr anzunehmen wäre. Daraus folgt nicht nothwendig, dass Theorie und Praxis sich überhaupt nirgends mehr entsprochen haben.[...]Aber schon der Umstand, dass das sächsische und das süddeutsche Rechtsbuch in Bezeichnung der den untersten Stufen Angehörenden nicht ganz übereinstimmen, wird uns, wollen wir den Grund nicht etwa in dem Unterschiede der Entstehungszeit suchen, den Gedanken einer Nothwendigkeit örtlicher Scheidung nahelegen, wie eine solche ja überhaupt sich mehr geltend macht, sobald wir die unteren Kreise des Staatslebens ins Auge fassen". (Ficker: Heerschild, S. 124f.)
42Ebd., S. 224.
43Ebd.
44Ebd., S. 226.
45Mitteis: Lehnrecht, S. 441ff. Er führt allerdings nebenbei an, daß das negative lehnrechtliche Moment, d.h. die Freiheit der Reichsfürsten von jeder Mannschaft eines Laien außer dem König, im Interesse des Königs gelegen habe. Die an sich positive Idee der direkten Verbindung zwischen König und weltlichen Fürsten sei aber entweder durch geistliche Fürsten oder ausländische Mächte als Lehnsnehmer zwischen ihnen gestört worden. (Ebd., S. 434.)
46Ebd., S. 441f.
47Ebd., S. 443.
48Ebd. Er stützt sich bei dieser Einschätzung scheinbar auf den Bericht Arnolds von Lübeck, nach dessen Bericht der Kaiser mit großer Verschlagenheit alle Mittel in Bewegung setzte, um Heinrich zu stürzen: "Animadvertensque quod facile eum destruere non possit, admovet omnes calliditate dolos, et quem viribus expugnare diffidebat, sapientia admota paulatim manu evincere cogitabat." (Arnold von Lübeck: Chronica Slavorum. Unveränd. Nachdruck der Ausgabe von 1868. Hannover 1978. (MGH SS rer.Germ.schol. 14.). II, 2. S. 39.) Wie unten noch zu zeigen sein wird, ist der Gelnhäuser Urkunde wesentlich anderes zu entnehmen, sowohl was die Aussagen Arnolds von Lübeck anbelangt, als auch das, was Mitteis aus der Urkunde herausliest. Vgl. unten Kapitel 4.2.
49Mitteis: Lehnrecht, S. 443. Mitteis stellt damit gegen die Betonung Fickers, daß das Lehnrecht vorwiegend privatrechtlichen Charakter hatte, die Rolle, die das Lehnrecht bei der Entstehen der Staaten in ganz Europa spielte. Den zentrifugalen Kräften, die das Lehnrecht im Reich gehabt habe, stehe konsolidierende Wirkung in den Territorien gegenüber. Aus diesem Grunde dürfe man die Entwicklung in den westeuropäischen Ländern auch nicht mit der Reichsentwicklung, sondern mit den Territorien vergleichen. Das Reich sei anders als England oder Frankreich zuwenig Lehnstaat bzw. zuwenig feudaler Machtstaat gewesen. (Ebd., S. 448ff.)
50Ebd., S. 442.
51Ebd., S. 438.
52Krieger: Lehnshoheit, S. 119.
53Ebd., S. 121.
54Ebd., S. 120, bes. Anm. 17.
55Ebd.
56Ebd., S. 127f., 557ff. Krieger verweist darin auf den seit karolingischen Zeiten überlieferten Rechtsspruch "homo hominis mei non est homo meus". Der König hatte damit zwar keinen Zugriff auf alle Aftervasallen, aber er konnte immer auch Leute belehnen, die nicht zu den Reichsfürsten gehörten.
57Lnr. 69 8.
58Vgl. Krieger: Lehnshoheit, S. 6.
59Vgl. in diesem Kontext z.B. den Gütertausch Heinrichs des Löwen mit Friedrich I. Barbarossa, bei dem jener diesem Badenweiler überträgt und dafür die Harzburgen Herzberg, Scharzfeld und den Hof Pöhlde erhält. (MGH DDF. I, Nr. 199 und 200.) Zu erwähnen ist dabei die allmähliche Trennung des Hausgutes des Königs vom Reichsgut. Der König fällt damit letztendlich immer mehr auf seine eigene Hausmacht zurück, ein Umstand, der besonders bei Wechseln des Herrscherhauses ins Gewicht fällt.
60Ldr. III 58 1-2, Einklammerung von Eckhardt. Parallel dazu die Formulierung im Lehnrecht 71 21: "Vorste het dar umme vorste des rikes, dat sin vanlen, dar he vorste van wesen wel, neman vor eme untvan ne scal. Swen it en ander vor eme untvet de it eme liet, so nis he de vorderste an der lenunge nicht; dar umme ne mach he van deme lene nen vorste wesen. Swe so vanlen hevet unde vorste is, de ne scal nene leien hebben ane den koning."
61Vgl. z.B. die Gelnhäuser Urkunde, die den Prozeß gegen Heinrich den Löwen beendet. Dort ist ganz allgemein von den principes die Rede: "ex instanti principum querimonia", "pro hac contumacia principum et sue condicionis Sueuorum proscriptionis nostre inciderit sentenciam" (MGH DDF. I, Nr. 795). Diese Urkunde ist deshalb besonders bedeutungsvoll, weil die Absetzung Heinrichs des Löwen als das Ende des älteren Reichsfürstenstand angesehen wird. Zugleich soll sie den Abschluß des neueren Reichsfürstenstandes markieren, da der Zugang zu diesem von da an nur noch vermittels eines formalen Aktes möglich war. (Vgl. Anm. 85.) Und selbst der Nutznießer, der Kölner Erzbischof Philipp wird in dieser Urkunde lediglich als "princeps noster" bezeichnet, obwohl er ohne Zweifel dem Kreise der späteren Reichsfürsten angehörte.
*Fickers Werk über den Reichsfürstenstand, welches Puntschart nach dessen Tode fortgeführt hat, ist derart umfangreich, daß in der Forschung die Dissertation von Fritz Schönherr als Zugang herangezogen wird. Er hat die Lehre wesentlich systematisiert und damit übersichtlich und zugänglich gemacht. Auch in dieser Arbeit wird teilweise Schönherrs Schrift benutzt.
62Ficker: Heerschild, S. 117. Vgl. Schönherr, Fritz: Die Lehre vom Reichsfürstenstande des Mittelalters. Diss. Leipzig 1914, S. 17 und 23.
63Dabei scheint es regionale Unterschiede gegeben haben, die Ficker ausführlich bespricht. (Vgl. Schönherr, S. 17ff.)
64Ficker bezeichnet die Fürsten zur Unterscheidung als Fürsten im engeren und im weiteren Sinn. Diese Trennung ist allerdings nicht zeitgenössisch. (Ebd., S. 17f.)
65Ficker: Heerschild, S. 117.
66Ebd., S. 26.
67Vgl. oben S. 8.
68Vgl. Schönherr, S. 52f.
69MGH DDF I. 795, S. 362.
70Vgl. Schönherr, S. 58.
71Ficker: Heerschild, S. 225.
72Mitteis: Lehnrecht, S. 439.
73Ebd., S. 440.
74Er kommt sogar zu der Feststellung, daß es weder Sieger noch Besiegte gegeben habe, sondern: "Beide waren besiegt, der Kaiser und sein stolzer Gegner [Heinrich der Löwe]. Sieger war der Gedanke der fürstlichen Vormachtstellung gegenüber dem Kaiser." (Ebd., S. 698.)
75Mitteis: Staat, 2.Aufl., S. 71.
76Mayer zitiert in diesem Zusammenhang Mitteis mit den Worten "planvolle Zerlegung" als Ausdruck fürstlichen Handelns gegenüber der königlichen Machtstellung. Mitteis verwendet dagegen diese Worte, um die königliche Intention zur Einrichtung des Lehnswesens zu beschreiben. Er spricht von der "Verwendung des Lehnrechts zur Dezentralisation der Hoheitsrechte sowie zur Sicherstellung pflichtgemäßen Verhaltens der Hoheitsträger" (Mitteis, Staat, 2.Aufl., S. 71). Es ist in diesem Sinne also aktive Politik des Königs, die in der geplanten Weise reichsstabilisierend gewirkt hätte und hat, je nach politischer Durchsetzungskraft des Königs. Mayer verdreht diese Worte ins Gegenteil und interpretiert die durch eine nicht vorhersehbare Entwicklung entstandene Situation als willentlich von den Fürsten herbeigeführt. Er ergänzt die Unterscheidung zwischen höchstem Adel und Grafen. Der höchste Adel habe wirklich an der Reichsgewalt teilgehabt, während die Macht der Grafen lediglich eine abgeleitete, vom König delegierte gewesen sei. (Mayer, S. 236)
77Mitteis: Lehnrecht, Anm. 99. S. 696.
78Der entscheidende Satz der Gelnhäuser Urkunde ist außerdem der folgende: "Nos itaque habitur cum principibus deliberatione communi ipsorum consilio ducatum[...]in duo divisimus". (MGH DDF. I, Nr. 795. S. 362.) Hieraus geht hervor, daß die Teilung des Herzogtums auf den Vorschlag der Fürsten zurückgeht. Es gibt also keinen Grund, irgendein Zugeständnis des Kaisers an die Fürsten zu vermuten.
79Mitteis: Lehnrecht, S. 697.
80MGH DDF. I, Nr. 795. S. 363.
81Heinemeyer, Karl: König und Reichsfürsten in der späten Salier- und frühen Stauferzeit. In: Bll.f.dt. Landesgeschichte 122 (1986). S. 4f.
82Stengel, Edmund Ernst: Land- und lehnrechtliche Grundlagen des Reichsfürstenstandes. In: ZRG (GA) 66 (1948). S. 311
83Vgl. Schönherr, S. 36ff. Stengel, S. 311.
84Stengel, S. 310.
85In der Tat ist der König zu materiellen Zugeständnissen verpflichtet, um die Reichsfürsten an sich zu binden: die Aufnahme in den Reichsfürstenstand geht nach den Quellen so vor sich, daß der Fürst sein Eigengut an den König aufläßt, welches der ihm, unter Zugabe von Reichsgut, zu Lehen wiederverleiht. (Ebd., S. 326f.) So geschehen bei der Erhebung des Grafen Baldewin vom Hennegau zum Markgafen von Namur 1184/88 (MGH Const. I, Nr. 298.), Ottos von Lüneburg, einem Enkel Heinrichs des Löwen, zum Herzog von Braunschweig 1235 (MGH Const. II, Nr. 197.), des Landgrafen Heinrich von Hessen 1292 (MGH Const. III, 476.) und des Grafen Amadeus von Savoyen 1310 (MGH Const. IV/1, Nr. 479 und MGH Const. IV/2, Nr. 995). Diese vier Vorgänge beweisen, daß es sich um gezielte Akte der Erhebung in den Reichsfürstenstand handelt. Das vorher also ein gewisser Abschluß des Standes stattgefunden haben muß, ist ebenso deutlich.
86Stengel hebt auch noch einmal die Bedeutung der Stammesherzöge hervor, die die Quelle der Umbildung darstellten: sie waren nicht zersetzendes, partikularistisches Element, sondern vielmehr aufbauendes, föderalistisches. (Stengel, S. 307, 311.)
87Vgl. Ebd., S. 312.
88Noch kritischer wurde die Situation durch die Doppelvasallität, in der man von zwei oder mehreren Herren Lehen hatte und damit in Loyalitätskonflikte geraten konnte, falls die beiden Herren gegeneinander Fehde führten und beide denselben Mann aufboten. Diesem Zwiespalt versuchte man durch die ligische Vasallität auszuweichen, in der der Mann von vornherein bestimmen mußte, von welchem Herrn er aufgeboten werden wollte.
89Gemeint sind damit die "Confoederatio cum principibus ecclesiasticis" (MGH Const. II, Nr. 73.) vom 26.4.1220 (also schon vor der Niederschrift des Sachsenspiegels!) und das "Statutum in favorem principum" vom 1.5.1231 (MGH Const. II, Nr. 304.) bzw. von Mai 1232 (MGH Const. II, Nr. 171.). Auch der Mainzer Reichslandfriede (MGH Const. II, Nr. 196.) von 1235 enthält wesentliche Bestimmungen, die die Reichsfürsten als besonderen Stand betreffen. Mit diesen drei Dokumenten wurden die Rechte der Reichsfürsten geklärt und festgeschrieben.
90Heinemeyer nennt im Sinne der Abtrennung von besonderen Gruppen innerhalb einzelner Stände und deren Festschreibung insbesondere zwei Daten: die Festlegung der Zugehörigkeit geistlicher Reichsfürsten zum Reichsfürstenstand sei bereits 1122 mit dem Wormser Konkordat abgeschlossen gewesen (Heinemeyer, S. 17.), die Anzahl der geistlichen Reichsfürsten zudem ungleich höher gewesen, als die von weltlichen., deren Zahl sogar noch abgenommen habe bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In dieser Zeit lassen sich insgesamt 92 geistliche und zunächst 22, dann 13 weltliche Reichsfürsten feststellen. (Ebd. Vgl. Krieger: Lehnshoheit, S. 173.) Die Hervorhebung von einzelnen Reichsfürsten, den späteren Kurfürsten, findet sich bereits im Sachsenspiegel. (Ldr. III 572.)
91Heinemeyer, S. 6f. Heinemeyer hebt hervor, daß erstmals Krieger das Nebeneinander untersucht hat. (Krieger: Lehnshoheit, S. 158ff.)
92Ignor, S. 54ff.
93Eike scheint das Recht aber auch anderen Menschen zugänglich machen, damit sie sich darauf berufen können: "en ander merket aver dar bi,/ Dat nemannes mut/ bat dar to ne stut,/ Wo he de lude gemene/ grot unde klene/ Rechtes brechte in kunde,/ na deme he sek verstunde,/ Denne dut de mut min;/ des geve ek to orekunde dit bukelin." (Ldr., S. 24.)
94"Of he an en dan/ dat rechtere irvaren kan,/ Ek rat em, dat he albalde/ sek dar an gehalde,/ Went vil wiser lude leren,/ de it an gut keren,/ Is beter den min enes si." (Ldr., S. 23f.)
95"Dit recht hebbe ek selve nicht irdacht,/ it hebbet van aldere an unsik gebracht/ Unse guden vorevaren/ mach ek ok, ek wel bewaren" (Ldr., S. 21.)
96"Grot angest geit mek an;/ ek vorchte, dat manich man/ Dit buk wille meren/ unde beginne recht verkeren/ Unde te des an mich;/ so wet mek Got unsculdich,/ Den dar neman kan bedregen,/ de wete ok, dat se legen,/ Det ne kan ek nicht bewaren,/ alle unrecht varen/ Unde werven an disseme buke,/ den sende ek disse vluke,/ diu meselsucht mut en bekliven" (Ldr., S. 24.)
97Die gebräuchlichste Ausgabe des Sachsenspiegels von Karl August Eckhardt bietet einen rekonstruierten Text, der so in keiner Handschrift vorliegt. Letztgültige Aussagen über den Zusammenhang von Form und Inhalt oder über Beziehungen zu anderen Rechtsbüchern lassen sich an dieser Stelle also nicht machen. Es sollen statt dessen allgemeine Überlegungen angestellt werden. Eckhardt versucht, eine möglichst autornahe Fassung zu erlangen. Nicht nur, daß er sprachliche Besonderheiten nicht berücksichtigt, wie es heute üblich wäre, sondern nach heutiger Editionsmethodik würde man versuchen, eine überlieferungskritische Ausgabe zu erstellen. Dabei sollten die Schreibweisen in einer Handschrift, die benutzte Sprache, also die individuelle Gestalt des Textes berücksichtigt werden. Vgl. Schmidt-Wiegand, Ruth: Von der autornahen zur überlieferungskritischen Ausgabe des "Sachsenspiegels". In: Deutsches Recht zwischen Sachsenspiegel und Aufklärung. Rolf Lieberwirth zum 70. Geburtstag dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen. Hrsg. von Gerhard Lingelbach und Heiner Lück. Frankfurt/M. u.a. 1991. (Rechtshistorische Reihe 80.)
98Beispielsweise werden teilweise bei der Abschrift eines Rechtstextes die Sachverhalte, die der Verfasser festgehalten hat, weitertradiert, ob sie für den Benutzer der Abschrift Geltung oder Nutzen besitzen oder nicht. So finden sich "Wucherungen" zu den behandelten Themenkreisen, die in einem anderen Rechtstext nebensächlich sein können. Aspekte, die dem Kopisten bzw. Bearbeiter wichtig erscheinen, werden höchstens angelagert. Eine wirkliche Überarbeitung hat bei der Abschrift selten stattgefunden. Vgl. Blattmann, Marita: Über die Materialität von Rechtstexten. In: FMaSt 28 (1994). S. 333-354.
99Eine neue Aufstellung der Handschriften liegt vor bei Ulrich-Dieter Oppitz: Die Rechtsbücher des Mittelalters. 3 Bde. Köln/Wien 1990. Eine 1965 entstandene Dissertation, die sich gerade diesen Fragestellungen widmet, liegt aber nicht gedruckt vor und konnte deswegen nicht rezipiert werden. Nowak, Elisabeth: Die Verbreitung und Anwendung des Sachsenspiegels nach den überlieferten Handschriften. Maschschriftl. Phil. Diss. Hamburg 1965. Diese Dissertation ist in der Forschung außerdem sehr unterschiedlich beurteilt worden. Vgl. dazu Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 367. Der Sachsenspiegel soll schon bald nach seiner ersten Niederschrift gesetzesartigen Charakter erhalten haben, dadurch, daß in Abschriften nach 1235 die Bestimmungen des Mainzer Reichslandfriedens aufgenommen wurden.
100An dieser Stelle sei vergleichsweise die Stelle des Schwabenspiegels zitiert, die den Aufbau der Heerschilde benennt: "vnd recht in der selben weis sind auch die sieben herschilt auf gelet. der chunig hebt den ersten herschilt. die pischof und die äbbet vnd äbtessin die da gefurstet sint die hebent den andern herschilt. die layen fursten den dritten. die freyen herren den vierden. die mittern freyen den fünften. die dienstman den sechsten. vnd zu geleicher weis als man nitt wais wanne sich dew sibend zal endet als wenig wais man ob der sibend herschilt lehen müge han oder nicht. den sibenden herschilt hhebt ain ieglich man der nicht aigen ist vnd ain ekint ist.lehenrecht geit man den nicht die frey vor dem sibenden herschilt sint." (Schwabenspiegel. Kurzform. Hrsg. von Karl August Eckhardt. 2., neubearb. Ausgabe. Hannover 1974. (MGH Font.iur.germ.ant., N.S. IV, Teil 1 und 2.) S. 48, Sp. Ia(Km). Im Deutschenspiegel lautet die Stelle: "Nu ze dirre selben ws sint auch die siben herschilt f geleget. Der künic hevet den rsten, die bischolf und die äbte und äbtissinne, die gefürstet sint, diu hevent den andern, die leien fürsten den dritten, die vren herren den vierden, die mittern vren den fünften, die dienstman den sehsten. Und als man niht enweiz, wenne diu sibende werlte sich ende, als enweiz man niht, ob der sibende herschilt lhenreht müg gehaben." (Deutschenspiegel und Augsburger Sachsenspiegel. Hrsg. von Karl August Eckhardt und Alfred Hübner. 2., neubearb. Ausgabe. Hannover 1933. (MGH Font.iur.germ.ant., N.S. III.), S. 83.)
101Ficker: Heerschild, S. 145f.
102Theuerkauf: Lex, S. 10f.
103Krause, H.: Art. Aufzeichnung des Rechts. In: HRG I, Sp. 258.
104Theuerkauf zeigt weiter auf, daß sich Rechtsbewußtsein an Abschriften von Rechtstexten ermitteln läßt, weil der Abschreiber den Text dieses Aufwandes für würdig befunden haben muß, er also in gewissem Maße mit dem Rechtsbewußtsein des Urtextes übereinstimmt. (Theuerkauf: Lex, S. 11.) Genaue Qualifizierungen oder Quantifizierungen dürften aber kaum möglich sein. Die Aussagen darüber, inwieweit abgeschriebenes Recht wirklich Geltung hatte, muß unklar bleiben. Diese Fragen hat Marita Blattmann in ihrem Aufsatz über die "Materialität von Rechtstexten" in hervorragender Weise behandelt. Wenngleich sie andere Rechtsquellen als Untersuchungsgegenstand heranzieht, trifft sie genau den kritischen Punkt der Beziehung zwischen Inhalt und Form eines Rechtstextes.
105Diese Funktion ist zwar stärker noch in der theologischen Spiegelliteratur anzutreffen, doch benutzt Eike das Bild des Spiegels als Sammlung. Ebd., S. 104ff.
106Ebd., S. 117-166.
107Schmidt-Wiegand, Ruth: Eike von Repgow. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon Bd. 2. Berlin, 2., völlig neu bearb. Aufl. 1979. Sp. 403.
108 Vgl. oben Anm. 98 und Kroeschell: Rechtsaufzeichnung, S. 376f.
109Vgl. Theuerkauf: Lex, S. 29ff.
110Das Hohe Mittelalter ist nicht umsonst auch eine Hochzeit der Urkunden"fälschung", da man sich mit einsetzender Schriftlichkeit des Glaubens an eben diese Symbole wie ein Siegel bediente. Es handelt sich bei den "Fälschungen" aus zeitgenössischer Sicht allerdings nur um die Festschreibung von Rechten, die der "Fälscher" der Urkunde sowieso schon immer gehabt zu haben glaubte. Diese Rechte wurden nun aber aufgeschrieben, weil schriftliche Zeugnisse mit "Echtheitsgarantie" (also den Bestätigungen wie Siegel, Monogramme etc.) an Beweiskraft zunahmen.
111Vgl. Heinemeyer, S. 37f.
112"Swe des herscildes darvet, de ne mach nemandes ordel scelden de den herscilt hevet." (Lnr. 69 1). (Auch 75 3???)
113Theuerkauf: Lex, S. 348f.
114Ignor: Rechtsdenken, S. 291f.
115Vgl. Theuerkauf: Lex, S. 350.